Wie Crailsheim das Innenstadt-Ökosystem mit INCH² neu belebt
Ausgangslage
Die Stadt Crailsheim wollte testen, ob ein flexibel nutzbarer Raum in leerstehenden Innenstadtflächen lokale Unternehmen sichtbarer machen, den Austausch stärken und Bürger:innen besser einbinden kann.
Das Konzept INCH² sieht einen offen betriebenen Raum vor, der als Treffpunkt für Unternehmertum, Vernetzung und Innovation dient, mit kurzen Formaten wie “Founders meet Mittelstand”, Pitches, Mentoring oder offenen Austausch-Sessions.
Unsere Aufgabe als Sidekick Collective:
Ein strukturiertes UX Research Projekt, das belastbare Erkenntnisse liefert und zeigt, wie das Konzept operativ, programmatisch und kommunikativ funktionieren kann.
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Um zu verstehen, wie relevant das Konzept für lokale Unternehmen ist und welche Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen, führten wir eine zweistufige Online-Befragung durch.
Die Studie untersuchte:
Sichtbarkeit lokaler Unternehmen und ihre aktuellen Netzwerke
Barrieren, die eine Teilnahme erschweren
Einschätzung des Konzeptes INCH²
Nutzungsbereitschaft und konkrete Anforderungen an den Raum
Der Fragebogen erreichte rund 50 Entscheidungsträger:innen.
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Sichtbarkeit & aktuelles Verhalten
Unternehmen, die Sichtbarkeit aktiv als Ziel verfolgen, sind tatsächlich sichtbarer und netzwerken häufiger.
Innenstadtlagen schneiden deutlich besser ab als Gewerbegebiete.
Die wichtigsten Gründe für Sichtbarkeit: Kund:innengewinnung und Talente anziehen.
Bedürfnisse & Hürden
Zeitmangel ist das größte Hindernis, Formate müssen klar, kurz und verlässlich sein.
Planbare Rhythmen und transparente Informationen sind entscheidend für Teilnahmebereitschaft.
Passung des Konzepts
Die Wichtigkeit des Konzepts wird moderat bewertet.
Die Nutzungsbereitschaft ist jedoch überraschend hoch, vor allem bei Unternehmen, die bereits aktiv netzwerken oder Sichtbarkeit priorisieren.
Das spricht für ein kuratiertes, leicht zugängliches Angebot, das bestehendes Verhalten sinnvoll erweitert.
Strategische Schlussfolgerung
Für hohe Akzeptanz braucht INCH²:
Zentrale Lage
Klare, kurze Formate
Einfachen Zugang (Walk-in + unkomplizierte Buchung)
Transparente Auslastung
Verlässliche Basisinfrastruktur
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Wir haben der Stadt ein sofort umsetzbares Set an Handlungsempfehlungen geliefert:
Betrieb & Programm
Program Owner als zentrale Ansprechperson
Standardformate wie
30-Minuten Lunch Input
60-Minuten After-Work Sessions
gelegentliche Samstags-Slots
Klare Kuratierung statt Beliebigkeit
Zugang & Abbau von Hürden
Walk-in-Zeiten
Extrem einfache Online-Buchung
No-Show-Policy
Anzeige der aktuellen Auslastung online und vor Ort
Grundausstattung
stabiles WLAN
Screen/Beamer
Moderationsmaterialien für Workshops & Austausch
Kommunikation
Zentrale Landingpage für:
Programm
Buchung
Recaps
Auslastung
Regelmäßige Newsletter
PR Toolkit mit Vorlagen für Partner
Pilotphase
Ein 12-wöchiger Pilot mit KPIs wie:
Auslastung der Slots
Erstbesucher vs. Wiederkehrer
Ein-Frage-Feedback pro Event
Abschlussbefragung zur Feinjustierung
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Kleine Stichprobe im B2B-Kontext: Durch klare Messinstrumente und Erwartungsmanagement konnten wir dennoch belastbare, richtungsweisende Aussagen erzeugen.
Zeitliche Constraints der Verwaltung: Die Studie wurde bewusst schlank, aber wirkungsvoll aufgebaut, um schnelle Entscheidungen zu ermöglichen.
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Der Erfolg lässt sich nicht in einem einzigen Score messen, sondern in Verhalten und Wirkung:
steigende Teilnahmebereitschaft
wahrgenommene Relevanz
Zufriedenheit mit Formatlänge, Struktur und Atmosphäre
Verhältnis von investierter Zeit zu erlebtem Mehrwert
Damit wird aus einem Raumprojekt ein kontinuierlich gesteuertes Produkt.
Fazit: Von der Idee zur umsetzbaren Strategie
Die Daten zeigen: Zwischen moderater Relevanz und hoher Nutzungsbereitschaft liegt eine Chance, die sich durch klare Rhythmen, gute Kuratierung und niedrige Hürden heben lässt.
INCH² hat das Potenzial, zum zentralen Treffpunkt für Sichtbarkeit, Vernetzung und Innovation in Crailsheim zu werden, vorausgesetzt, Betrieb, Programm und Kommunikation greifen präzise ineinander.
Der vorgeschlagene Pilot schafft die Grundlage für ein übertragbares, skalierbares Innenstadtformat.